Demokratie und Diktatur: 1918-1945

Von Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts erlebten die Menschen in Deutschland andauernde Wechsel der Herrschaftssysteme.

Wir wollen an einem Menschen erkunden, wie das wohl gewesen sein mochte. Ich werde dir eine kurze Geschichte erzählen, wie sein Leben verlaufen ist. 

 

Stellen wir uns einen Mann vor, der um 1900 geboren wurde. Er hieß Karl und war Berliner. 

Karl wuchs auf im Kaiserreich. Er lernte in der Schule und zuhause, dass der Kaiser Wilhelm II das absolute Oberhaupt ist, dessen Wort Gesetz ist.

 

Als Karl 14 wurde, begann der Erste Weltkrieg. Seine Jugend erlebte er im Krieg und war 18 als er endete. Obwohl Berlin als Binnenstadt ohne Zugang zum Meer nicht die Stadt war, in der man zum Matrosen heranwuchs, wurde Karl einer. Denn er liebte die Schifffahrt und die See, konnte hervorragend segeln und war ein treuer Untertan des Kaisers. Er hatte sich aus tiefster Überzeugung, seinem Kaiser zu dienen, freiwillig zum Kriegsdienst verpflichtet und diente ab seinem 16. Lebensjahr als Matrose im Krieg. Zusammen mit seinen Kameraden erlebte er sehr, sehr viele Schlachten und er sah, wie sie fielen oder verkrüppelt wurden von den Kanonen der Gegner.

Er änderte seine Einstellung zum Krieg sehr schnell und begriff, dass ein Krieg nicht glorreich und ehrenvoll ist, sondern viele Menschen starben oder verkrüppelt wurden, sah das Leid seiner Kameraden und später das Leid ihrer Mütter, Schwestern und Ehefrauen.

Wie seine Kameraden lehnte er sich auf gegen die letzte Schlacht, die der Kaiser im Oktober 1918 gegen die Briten befohlen hatte. Der Aufstand der Matrosen erfasste ganz Deutschland. Ihm schlossen sich die genauso kriegsmüden Soldaten und dann auch die daheim gebliebenen Arbeiter an. Sie riefen auf zum Stopp des Krieges und wollten, dass der Kaiser abdankte.

Karl war dabei und es wurde Realität: Am 9.November 1918 dankte Kaiser Wilhelm II. ab und ging nach Holland ins Exil. Die Freude war gewaltig und die Republik wurde gleich zweimal ausgerufen: von Phillip Scheidemann aus einem Fenster des Reichstages und etwas später von Karl Liebknecht von einem Balkon des kaiserlichen Stadtpalastes. Soldaten- und Arbeiterräte übernahmen die Verwaltungen und politischen Leitungen überall in Deutschland. Das Volk hatte die Führung übernommen, die erste Demokratie war damit auf Deutschem Boden entstanden.

 

Karl war zurück aus dem Krieg und die Monarchie gab es nicht mehr. Er war gesund geblieben und hatte überlebt, anders als viele seiner Kameraden. Er wollte nun bald eine Familie gründen, weil man das damals so machte. Dafür musste er sich eine Arbeit suchen.