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Eine Fahrt, etwas philosophisch...

 

Meine Tochter und ich waren unterwegs. Der Zielort musste mit Auto erreicht werden, was uns immer die Gelegenheit zu längeren Gesprächen gibt. Allerdings waren wir genötigt, bis zum Auto mit der Bahn zu fahren. Unterwegs fingen wir ein paar Pokemon - jaja, ich weiß. Wie albern. Aber hey, es macht Spaß und man läuft mehr.

 

 

Wir fanden das Auto inklusive Verlobtem und fuhren los. Das Schöne an einer Autofahrt mit der Großen und ihrem Bald-Ehemann ist, dass wir uns über alles mögliche unterhalten können. Er erleuchtet uns Naturfuzzies über die Welt der Wirtschaft und der Immobilien und wir ihn zu den Wundern der Natur. 

 

Die Große hatte zu lernen und erzählte zwischendrin, was sie gerade lernt. Das hilft, man merkt es sich besser. Vor allem, weil ich sie noch dies und jenes frage. Interessehalber. Und ganz nebenbei frischt sie mein Wissen auf. Himmel, ich merke dann immer, wie lange es schon her ist, dass ich das alles gelernt habe!

 

Wir hatten gute Gesprächsthemen und kamen, wie immer, vom Hundertsten ins Tausendste. Ich liebe das, weil sich immer wieder Dinge ergeben, über die ich dann nachdenken und recherchieren kann. Das heute MERK-Würdige war ein Gespräch über Bhutan, das kleine Land zwischen den Riesen Indien und China. Ich hatte vor Urzeiten mal einen Reisebericht darüber gelesen: "Mein Leben in Bhutan" von einer kanadischen (?) Frau, die als Lehrerin dahingegangen ist und dort eine Weile gelebt hat. Es hat sich auch dort viel getan seitdem, stellte ich fest. Warum um alles in der Welt, fragten wir uns dann, kommt in den Nachrichten kaum irgendwas über solche Länder? Man bekommt ja den Eindruck, dort stehe die Welt still. Als würde nichts passieren. Und warum sind wir in der sogenannten Entwickelten Welt so vermessen, beim Wort "Weltgeschehen" immer nur an uns in Europa und Nordamerika zu denken? In unserem Stadtführerkurs hatten wir auch Vorlesungen in "Weltgeschichte". Tatsächlich ging es aber nur um die deutsche, maximal vielleicht europäische Geschichte und ihren Einfluss auf die Welt, wie z.B. bei der Kolonialisierung. Was bilden wir uns eigentlich ein? Ich will doch, wenn ich die Flimmerkiste anmache und mir suggeriert wird, ich erhalte nun Informationen aus der ganzen Welt, auch wirklich was über die ganze Welt erfahren - oder? Klar ist die Welt groß, aber dennoch will ich es wissen. Dann sollte die TV-Macher eben nicht davon ausgehen, alle hätten nur die Aufmerksamkeitsspanne eines Herings. Sollen die Nachrichten statt der 15 Minuten am Abend doch ruhig 30 oder sogar 45 Minuten lang sein - und dafür aus der Welt berichten. Es muss ja nicht jeden Tag jedes Land sein. Aber in einem Monat sollte man doch alle 195 völkerrechtlich anerkannten und ein paar der uneindeutigen Staaten durchkriegen, oder?

Aktuell rasen meine Gedanken. 

 

Mein Bild ist: Bildung und Gesundheit sind das Wichtigste überhaupt. Beides steht derzeit immer weiter hinter der Jagd auf Geld und immer mehr Geld, Konsum und immer mehr Konsum zurück. Wir haben das Wesentliche aus den Augen verloren: unsere eigene Entwicklung. Hier ist nicht nur die Politik gefragt (die aber besonders), sondern jeder einzelne. Wie soll das aber gehen, wenn die Menschen immer dümmer werden und gar nicht entscheiden können, was gut für sie ist, weil das Wissen fehlt???

Man merkt es vielleicht schon - unser derzeitiges Bildungssystem ist mir ein Dorn im Auge. Es sei gut, suggeriert man uns. Verglichen mit wem? Wohl kaum mit den Nachbarstaaten, da toppen uns so einige. Wie kann es sein, dass Jugendliche mit Realschulabschluss keinen Dreisatz beherrschen oder 10 Fehler auf einer abgeschriebenen (!) Seite als ok durchgehen???

 

Lassen wir das, mein Blutdruck will schon wieder hoch hinaus.  

Dabei war der Tag wirklich schön. Wir hatten viel Spaß und interessante Gespräche, haben leckeren Bigos gegessen und eine Pflanze mit schwarzen (!!!) Blüten erstanden. Unglaublich!

 

Nun sitze ich hier, zufrieden meinen Blog schreibend und mich darüber freuend, dass ich wieder 2 Tomatenpflanzen mehr habe und eine Pflanze mit schwarzen Blüten. Ich kann das immer noch nicht glauben. Sofern ich nicht über unser Bildungssystem nachdenke, ist alles schick.

Ich gehe mich abreagieren und putze eine Runde.