Verstädterung, Megastädte & Global Cities

Entstehung von Städten

Eine Stadt ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts, es gibt schon lange Städte. Allerdings lag der Anteil der Menschen, die in einer Stadt lebten, in einem sehr überschaubaren Rahmen. 

Die ersten Städte entstanden schon vor 5.000 Jahren in Mesopotamien (heute: Irak). Sie unterschieden sich von den weitaus stärker bewohnten ländlichen Gegenden durch ihre handwerklichen und künstlerischen Einrichtungen, die Verwaltungsstrukturen, den Handel sowie die dichte und strukturierte Bebauung. 

Viele Jahrtausende lang zählten diese Städte kaum mehr als 10.000 Einwohner. Nur 3% der Weltbevölkerung lebte bis ins 18. Jahrhundert hinein in Dörfern und betrieb Landwirtschaft - Ackerbau und Viehzucht.

Verstädterung in den Industrieländern

Alles änderte sich mit der Industrialisierung. Und die begann in England. Dort lebte man ebenfalls zunächst gemächlich auf dem Land, den Jahres- und Tageszeiten folgend.

Bereits 1825, als die ersten Fabriken entstanden und die Industrialisierung buchstäblich Fahrt aufnahm, kam es zur ersten Landflucht. Der Anteil der Stadtbevölkerung stieg von 3% rasch auf ca. 50% an. Man spricht in diesem Zuge von Verstädterung.

Zwischen 1900 und 1950 blieb diese Entwicklung dann ungefähr auf diesem Stand. Seit 1950 wuchs die Anzahl der Menschen auf der Welt und genauso auch die Anzahl jener Menschen, die in einer Stadt wohnen.

Weltweit stieg die Anzahl der Menschen, die in Städten lebt, zwischen 1950 und heute stetig an und wird nach Prognosen der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2050 noch weiter steigen.

 

In besonderem Maß steigt der Anteil in den Entwicklungsländern.

In den Industrieländern gibt es zwar auch einen Anstieg, aber der ist weniger schnell.  

Verstädterung in den Entwicklungsländern

Wie schon in der Grafik zu sehen, geht die Verstädterung in den Entwicklungsländern viel schneller voran. Die Wirtschaftskraft dieser Länder kann mit dieser Entwicklung kaum Schritt halten.

Das führt zu Problemen in der Infrastruktur, wie der Versorgung mit Energie, Wasser, medizinischer Betreuung und Lebensmitteln, ungenügend ausgebauten Verkehrswegen und den folgen daraus.

Die Gründe für die enorm schnell wachsenden Städte liegen nur zum Teil in der Zuwanderung aus den Dörfern. Die Menschen, die in die Städte strömen, sind größtenteils jung, sodass die Zuwachsraten der Städte auch durch das natürliche Bevölkerungswachstum zustande kommen.

Metropolen

Metropolen sind Städte mit mehr als 1 Million Einwohnern. Berlin gehört mit 3,7 Millionen dazu.

Die Anzahl der Metropolen hat sich von 13 um 1900 auf 275 in der heutigen Zeit erhöht.

Megacity

Dabei handelt es sich um sehr große Ballungsräume mit mehr als 8 Millionen Einwohnern. Hier leben inzwischen mehr als 10% der gesamten Weltbevölkerung. Tokio, Delhi, Kairo oder Mexiko City sind Beispiele für Megacities.

Global City

Als Global Cities werden Städte bezeichnet, die eine globale wirtschaftliche, politische oder kulturelle Bedeutung haben. Global Player, so heißen weltweit agierende Unternehmen, haben in solchen Städten meist ihren Hauptsitz, ebenso weltweit tätige Organisationen, wie WHO oder die Vereinten Nationen, Banken und Versicherungen, Werbeagenturen und Finanzdienstleister. Berlin steht im internationalen Ranking der Global Cities übrigens auf Platz 17 nach Städten wie New York, London, Tokio oder Peking. 

Megalopolis

Megalopolis heißt "Riesenstadt". Sie entsteht, wenn Großstädte sich so ausbreiten, dass sie zusammenwachsen. Das kann man in den USA auf der Fläche zwischen Washington und Boston (Bos-Wash), Chicago und Pittsburgh (Chi-Pitts) und San Fransisco und San Diego (San-San) sehen. Ganze Stadtbänder haben sich hier entwickelt, die mehrere Hundert Kilometer lang sind:

Bos-Wash z.B. ist knapp 800km lang. Das ist fast die Strecke zwischen Berlin und Zürich! Diese Megalopolis umfasst mehrere Städte, Vororte, Gewerbegebiete und Kleinstädte dazwischen, wie z.B. New York, Springfield, Baltimore und Philadelphia. Hier leben 50 Millionen Menschen (zum Vergleich: in Berlin leben ca. 3,4 Millionen). 

Großstädte & Kleinstädte

Großstädte sind Städte mit einer Bewohnerzahl von mehr als 100.000. Ab 20.000 Bewohnern wird eine Stadt in Deutschland auch als Mittelstadt bezeichnet. Kleinstädte haben weniger als 20.000 Bewohner.

Klein- und Großstädte sind, je nach Alter, unterschiedlich aufgebaut. Es gibt den schachbrettartigen Typ, der in Nordamerika vorherrscht. Wir in Deutschland finden einen solchen Aufbau nur in Mannheim (entstand im 17 Jahrhundert). Andere Städte verlaufen radial-konzentrisch: Von einem Mittelpunkt ausgehend bis zur Peripherie verlaufen die Straßen sternenförmig und zusätzlich ringförmig. Ein Beispiel dafür ist Karlsruhe aus dem 18. Jahrhundert. 

Berlin ist ein Beispiel für eine Stadt mit unregelmäßigem Grundriss. Das ist europaweit der für Städte vorherrschende Typ. Das liegt daran, dass die meisten Städte in Europa schon sehr alt sind und diese Städte über die Jahrhunderte ab- und auf- und angebaut wurden. Berlin entstand am Anfang des 13. Jahrhunderts. Da gab es viel Zeit für Umbauten.


Besonderheiten & Probleme in Städten

Räume des Verfalls

Die US-amerikanischen Innenstädte beispielsweise verfallen vor allem, weil die meisten Menschen dort arbeitslos sind. Und selbst solche, die noch Arbeit haben, sind arm. Die Folgen der Armut sind verheerend:

  1. Obdachlosigkeit, hohe Kriminalitätsrate, Drogenkonsum
  2. Es wird kaum in private Mietshäuser investiert - und die verfallen immer mehr.
  3. Die geringen Steuerabgaben (wer nicht viel verdient, zahlt nicht viele Steuern) lassen die Stadtkassen leer, so können die Straßen nicht saniert, Schulen nicht gebaut oder renoviert, Brücken nicht instand gehalten werden. Die Infrastruktur verfällt ebenfalls.

In südamerikanischen Städten gibt es solche Verfallsräume ebenfalls, wenn auch andersherum - eher am Stadtrand. Dort bilden sich beispielsweise die Favelas in brasilianischen Großstädten, in denen ca. 20% der Bevölkerung leben.

 

Nishantd85 / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)
Nishantd85 / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Im indischen Bombay (Foto) oder anderen asiatischen Megacitites liegen die Slums ebenfalls außerhalb der Stadt in der Peripherie. Hier leben sogar 30% der Bevölkerung.

Slums sind meist recht große Teile einer Stadt mit bitterer Armut, hoher Bevölkerungsdichte, enormer Arbeitslosigkeit, Drogenhandel und Kriminalität. Die Lebensbedingungen sind dort sehr schlecht und die Lebenserwartung der Menschen, die dort leben, ist gering.

 

Infrastrukturelle Probleme

Je mehr Menschen in einem Gebiet zusammen wohnen, je höher also die Bevölkerungsdichte wird und je größer dieses Gebiet ist, desto schneller muss die Infrastruktur angepasst werden. Das bedeutet zum Einen höheren finanziellen Aufwand (auch abhängig von den klimatischen Bedingungen vor Ort) als auch mehr Personal, das sich darum kümmern muss. Schulen, medizinische Einrichtungen, Straßen und öffentlicher sowie Autoverkehr - alles wird mehr gebraucht und genutzt.  Daraus entstehen ab einem bestimmten Punkt gewaltige, fast nicht mehr lösbare Probleme: die Umwelt wird stark belastet (Luft, Boden, Wasser) und die Gesundheit der Menschen leidet.

Bevor das passiert, kann man vielerorts beobachten, dass die Menschen regelrecht aus den Städten flüchten. Dieses Phänomen wird als "Landflucht" bezeichnet. Aus diesem Phänomen heraus haben sich in den Industrieländern um die Städte herum lauter kleinere Städtchen gebildet, die Edge Cities.

 

Edge-Cities

 

Seit den 90er Jahren kann man in den Suburbs der USA eine neue Entwicklung beobachten: Es entstehen im Umland eigenständige Nebenzentren mit Krankenhäusern, Schulen, Banken und Versicherungen und anderen wichtigen Einrichtungen. Dadurch werden hier komfortablere Arbeitsplätze (weniger Pendeln, weniger Luftverschmutzung, mehr Zeit) geschaffen - vor allem im tertiären Sektor (Dienstleistungen). Diese Nebenzentren heißen Edge Cities, auch als Suburbanisierung bezeichnet. 

 

Um Berlin herum gibt es das in ähnlicher Weise, wir bezeichnen diese Regionen zusammenhängend als "Speckgürtel". Das ist ein umgangssprachlicher Begriff. Der Fachbegriff lautet: engerer Verflechtungsraum.  


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