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Die Wahlen 2017

Einen Tag nach den Wahlen 2017 vom Besuch meiner Tochter zurückkommend, wurde ich überrollt von den Ergebnissen der 19. Bundestagswahl, die einen Tag vor meiner Rückkehr stattgefunden hatte.

Ganz Deutschland schien im Ausnahmezustand gefangen.

Ja, Herrschaftszeiten, war das Ergebnis denn wirklich so überraschend? Für mich jedenfalls nicht. Auch ich habe den großen Parteien eine Absage erteilt, weil sie im Einheitsbrei verharren, nicht mit uns reden und einfach ihr Ding durchziehen ohne die Stimmen aus dem Volk anzuhören. Das Volk ist eben auch das in Sachsen/Sachsen-Anhalt. Um es an dieser Stelle klar zu sagen: Nein, ich habe die AfD nicht gewählt. Furchtbare Partei mit blödsinnigen Ansichten, wenn Ihr mich fragt. Meine Taktik war, mein Kreuz viel weiter unten bei Parteien zu machen, deren Namen ich bis dahin nur selten oder gar nicht gehört hatte.

Nun haben wir hierzulande eine schwierige Situation zum Regieren. Dass alle Parteien meinen, das große Los gezogen zu haben und sich - vollkommen an den offenkundigen Ergebnissen vorbei - zu den großen Siegern zählen, ist nichts Neues. Das sind die üblichen Phrasen nach einer Wahl. Warum man das so macht, ist mir schleierhaft. Das erinnert mich an früher, wenn bei den Kindern etwas kaputt gegangen ist: Sie waren es nicht, es war stets dieser dubiose "Niemand", den ich nie kennengelernt habe. Da keimt doch der ketzerische Gedanke auf, unsere Politiker seien noch nicht erwachsen geworden.

Die Absage an die großen Parteien ist glasklar gewesen. So geht's einfach nicht. Und wie so oft im Leben tut man sich mit dem Umdenken so schwer. Man will es einfach nicht zulassen. Und Politiker sind eben auch nur Menschen.

Trotzdem: Es will mir nicht in den Kopf, wie man aus seinem Elfenbeinturm heraus eine Politik machen will, die das Volk einem aufgetragen hat, wenn man gar nicht mehr so richtig zum Volk gehört. Folglich weiß man doch kaum, was das Volk will.

Ich war einmal im Bundespresseamt. Das ist die Behörde, die mich als Bürger informieren soll und gleichzeitig die Informationen zusammenstellt, die ans Kanzleramt aus dem Volk herübertönen sollen. Wenn diese Behörde die Kanzlerin so schlecht informiert wie sie den Besucher ihres Hauses über die Politik informiert, wundert mich nicht, dass die Kanzlerin kaum Ahnung hat über die Meinungsflüsse im eigenen Land. Ehrlich: Ich bin genauso dumm aus dem Gebäude wieder raus gekommen, wie ich rein gegangen war!

Nun haben wir also eine merkwürdig schwammige Verteilung in den Parlamentsreihen und außerdem müssen neue Sitzreihen für die neue Partei im Bundestag her. Nun ist guter Rat teuer: Wo sollen die sitzen?

Die Zuordnungen "links" und "rechts" und "in der Mitte" sind ja eben aus den Sitzen der entsprechenden Parteien im Parlament entstanden und werden bis heute so beibehalten. Dahinter verbirgt sich eine Grundhaltung der Mitglieder einer Fraktion.

Ganz rechts direkt neben der Regierung? Ist ein bißchen dolle nah. Traditionell sitzt da die CDU. Aber irgendwie stimmt das ja nun nicht mehr. Die CDU ist ja inzwischen von der SPD kaum noch zu unterscheiden. Oder ganz links? Da gehören sie doch nicht hin, das haut mir der rechten Gesinnung nicht hin. In der Mitte? Da gehören sie auch nicht hin, schon gar nicht nach den Äußerungen von Gauland nach der Wahl. Furchtbar, diese Polemik!

Probleme, die die Welt nicht braucht. Nunja, aber so ist es nunmal. Ich bin irre gespannt, wie sich "die da oben" so anstellen in den nächsten 4 Jahren. Ob es überhaupt 4 Jahre werden, wird ja jetzt schon bezweifelt. Eine Regierung aus CDU, FDP und Grünen? Ach Du liebe Güte, das wird eine Zerreißprobe, die Ansichten sind doch sehr unterschiedlich. Aber wer weiß, vielleicht überrascht uns Jamaika. Vielleicht ist es ja eben der erwartete heftige Diskurs in dieser Konstellation, der für positive Änderungen sorgt. Vielleicht ist der Kuschelkurs einer großen Koalition, wie wir ihn schon oft in der Geschichte hatten, eben doch nicht das Wahre. Wir werden sehen.

Was in der Politik heute gänzlich fehlt, sind Politiker mit Format, Charisma, die die Menschen bewegen und mit ihnen unser Land und seine Entwicklung. Wo sind die Willy Brandts, Helmut Schmidts oder Konrad Adenauers unserer Zeit? Die vermisse ich schmerzlich. Politiker, die Politik machen für die Menschen, wie das Volk es will. "Wir sind das Volk" tönte es 1989 in der DDR. Daran hat sich nichts geändert!