Bodenschätze in Sibirien


Lage Sibiriens

Sibirien ist ein gewaltiges Gebiet in Russland. Es macht 3/4 des gesamten russischen Staates aus.

By Ulamm 21:06, 18 April 2008 (UTC) - Image:Russland topo.pngThe map has been created with the Generic Mapping Tools: http://gmt.soest.hawaii.edu/ using one or more of these public domain datasets for the relief:GLOBE (topography): http://www.ngdc.noaa.go
By Ulamm 21:06, 18 April 2008 (UTC) - Image:Russland topo.pngThe map has been created with the Generic Mapping Tools: http://gmt.soest.hawaii.edu/ using one or more of these public domain datasets for the relief:GLOBE (topography): http://www.ngdc.noaa.go

Es erstreckt sich über ca. 7.000km zwischen Uralgebirge im Osten und Pazifischem Ozean im Westen und umfasst mehr als 13 Millionen km2

Im Norden grenzen der Atlantik und im Süden die Staaten China, Kasachstan und die Mongolei an Sibirien. Die Nord-Süd-Ausrichtung beträgt ca. 3.500 km.

 

Es hat mehrere Großlandschaften, z.B. das Westsibirische Tiefland, die Mitteljakutische Niederung oder das Ostsibirische Bergland. Viele große Flüsse durchziehen Sibirien, z.B. Ob, Jeniissei und Tunguska.

In Nordsibirien sind die Temperaturunterschiede extrem: zwischen -60°C im langen Winter und bis zu +40°C in den kurzen, aber heißen Sommern liegt die Spanne um die 100°C.


Rohstoffe in Sibirien

Der Winter dauert bis zu 8 Monate. Deshalb sind die Böden dauerhaft (permanent) bis in eine Tiefe von ca. 200m gefroren. Im Sommer taut nur eine sehr dünne Schicht auf. Man nennt sie Permafrost-Böden. Diese Böden und die gewaltigen Ausdehnungen des Gebietes erschweren die Gewinnung der Rohstoffe erheblich. 

Die unglaubliche Weite, zusammen mit einer sehr dünnen Besiedlung (weniger als 2 Menschen pro Quadratkilometer) bedeuten: Es gibt keine nennenswerten Straßen, Eisenbahnstrecken und Rohrleitungsnetze. Auch Siedlungen für die Menschen sind nur sehr wenige vorhanden. Die Menschen müssen aber dennoch mit Lebensmitteln, Trinkwasser, Strom, Wärme und Internet versorgt werden.

Die älteste Eisenbahntrasse, auch "Transsibirische Eisenbahn", kurz Transsib, genannt, hat eine unfassbare Länge von knapp 9.300 km und braucht für die Strecke zwischen Moskau im Westen und Wladiwostok im äußersten Osten, direkt am Pazifischen Ozean am Übergang zu Japan, 13 Tage ununterbrochene Fahrt im Zug! Sie ist die längste Eisenbahnstrecke der Welt und besteht seit 1916.

 

Sibirien besitzt eine unfassbar große Menge an Bodenschätzen und anderen Rohstoffen. Die Taiga, das gewaltige Waldgebiet, hat viel Holz zu bieten, die Flüsse führen gewaltige Wassermengen mit enormer Kraft, es gibt fossile Brennstoffe, Edelmetalle und Edelsteine und jegliche Art von Metallen in großen Mengen.

Ohne die Eisenbahn wäre der Transport der Güter über diese Strecken nahezu unmöglich. 


Förderung der Rohstoffe

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts unternahm der Mensch große Anstrengungen und fing an, die Schätze Sibiriens zu erforschen und zu erschließen. Zunächst mussten dafür die Infrastruktur und Wohnraum für die Fachkräfte und Arbeiter geschaffen werden. Für die Arbeiter ist die Arbeit in den russischen Rohstoff-Fördergebieten in Sibirien und dem Fernen Osten ein wichtiger Arbeitsplatz-Garant. Gewinnung, Transport und Verarbeitung der Rohstoffe erfordern und schaffen zahlreiche Arbeitsplätze und sind damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. 

 

Diamanten und Palladium, die weltweit gefördert werden, stammen vor allem aus Sibirien. Russland ist Weltmarktführer in diesem Bereich. Bereits 1970 hatte die UdSSR, der Vorläuferstaat Russlands, eine gewaltige Diamantenmine im Norden Sibiriens entdeckt. Sie haben ihre Entdeckung aber geheim gehalten. "Die Welt" berichtete 2012 darüber.

 

Den 2. Platz nimmt es bei der Förderung von Erdgas, Platin und Aluminium ein, den 3. Platz bei Erdöl und Nickel und den 4. bei der Förderung von Gold. 

 

Die Förderung der Rohstoffe, vor allem Erdöl und Erdgas, Erze und Kohle finden sich hauptsächlich zwischen Wolga-Ural-Gebiet bis Westsibirien sowie westlich des Baikalsees im Süden Sibiriens. Viele Ressourcen lagern noch im Norden Sibiriens, diese sind jedoch aufgrund der Permafrostböden und der unerschlossenen Gebiete nur sehr, sehr schwer zu erschließen.

Hier findest du eine Liste der rohstoffreichsten Länder der Welt

 

Nachstehend werden vor allem die Förderung der fossilen Energieträger sowie beispielhaft der Abbau von Diamanten und Gold beschrieben. Es werden aber noch viele weitere Metalle, wie Nickel, Aluminium, Eisen oder Kupfer, in Sibirien abgebaut.


Förderung fossiler Brennstoffe

Erdöl- und Erdgasförderungsregionen in Sibirien | Quelle: https://www.loveluxleblog.com/2018/11/russia-natural-resources-map.html
Erdöl- und Erdgasförderungsregionen in Sibirien | Quelle: https://www.loveluxleblog.com/2018/11/russia-natural-resources-map.html

Im Westsibirischen Tiefland wurden in den 1970er Jahren die ersten Erdöl- und Erdgasvorkommen erforscht. Bis heute werden in Sibirien neue Lagerstätten gefunden und erschlossen. 

Die Erdgas- und Erdölfelder sind so umfangreich, dass man ihre Erschließung bis auf die Inseln des Nordpolarmeeres ausgeweitet hat. Viele moderne Städte sind dabei entstanden, um den Arbeitern auf den Ölfeldern, den Transporteuren und deren Familien Raum zum Leben zu bieten. Es sind reiche Städte im Vergleich zu anderen Industriestädten Russlands, da sie die enormen Einnahmen aus dem Verkauf von Erdgas und Erdöl haben. Die Menschen dort arbeiten unter sehr harten Bedingungen, erhalten aber im Vergleich zu anderen Städten mehr Lohn. 

Netz aus Pipelines | Quelle: https://www.reddit.com/r/MapPorn/comments/1zhlnw/natural_gas_pipelines_from_russia_into_europe_gif/
Netz aus Pipelines | Quelle: https://www.reddit.com/r/MapPorn/comments/1zhlnw/natural_gas_pipelines_from_russia_into_europe_gif/

Erdöl und Erdgas werden durch ein riesiges Rohrleitungsnetz in andere Bereiche Russlands und vor allem europäische Staaten, darunter Deutschland, geliefert.

Diese Rohrleitungen werden als PIPELINES bezeichnet.

Einer der wichtigen Abnehmer für Erdgas ist Deutschland. Wir erhalten etwa 40% unseres Gesamt-Erdgases aus Russland.

 

Die Diskussionen um "Nordstream 2", die Pipeline aus Russland nach Deutschland, ist ein aktuelles Projekt (2019) und steht hart in der Diskussion. Russland freut sich, die USA unter Trump wollen das verhindern, da sie selbst eine Menge Erdöl und Erdgas an uns verkaufen wollen.


Förderung von Diamanten

Der Bergbau nimmt neben der Förderung der Energieträger einen gewaltigen Stellenwert in Russlands Wirtschaft ein. Wie bereits erwähnt, ist Russland größter Abbauer von Diamanten weltweit. 2015 baute Russland z.B. knapp 42 Millionen Karat Diamanten ab. Der nächstgrößere Abbauer Botswana erreichte gerade die Hälfte (knapp 21 Millionen Karat).

Die meisten Diamanten entstammen bislang der Region Sacha (Hauptstadt Jakutsk), die ungefähr 8 Mal so groß wie Deutschland ist. Die Förderung erfolgt im Tagebau und unter Tage. Die Transportwege sind immens und können über solch gewaltige Strecken kaum mit dem LKW erfolgen. Daher werden hier Helikopter und Flugzeuge zum Abtransport eingesetzt.

 

Hier findest du ein Video von Gallileo zur größten Diamanten-Mine der Welt - sie ist in Sibirien:


Förderung von Gold

Goldmine in Sibirien | Bild von Istvan Mihaly auf Pixabay
Goldmine in Sibirien | Bild von Istvan Mihaly auf Pixabay

Auch der Goldabbau ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Laut Schätzungen besitzt Russland ca. 10% aller weltweit vorkommenden Goldreserven. Aktuell befinden sich die Abbaugebiete vor allem in Krasnojarsk am Jenissei, an der russisch-chinesischen Grenze in der Amurregion und in Magadan. 

Das goldhaltige Gestein wird gesprengt, abgetragen und zu feinem Staub zermahlen. Chemische Prozesse ermöglichen dann die Trennung des Goldes vom Gestein.

Das klingt harmlos, doch sind diese Chemikalien hochgiftig: Zyankali und Quecksilber werden dafür verwendet.

Pro Tonne Gestein erhält man so knapp 4 g Gold, das in Barren zu je knapp 30 kg gegossen wird.

 

 

Die Bergbauarbeiter erhalten guten Lohn für 3 Monate Arbeit im Tagebau bei freiem Essen und freier Wohnung. Anschließend haben sie 1,5 Monate Freizeit, die sie bei ihren Familien verbringen.


Probleme für Menschen & Umwelt in Sibirien

  1. Die Chemikalien beim Abbau von Gold und anderen Metallen hinterlassen jede Menge giftiger Rückstände, die gar nicht oder nur unzureichend entgiftet in die unmittelbare Umwelt entsorgt werden. Dies führt vor allem zur Verschmutzung der Gewässer und in der Folge zur Zerstörung von Pflanzen, Tieren und Gesundheitsproblemen beim Menschen.
  2. Der umliegende Permafrost in der Region wird durch den Abbau beschädigt. Beschädigter Permafrost trägt zum Austritt von Methan aus dem Boden und damit erheblich zum Klimawandel bei. 
  3. Die fossilen Brennstoffe Erdöl und Erdgas sind nicht nur dann problematisch, wenn man sie verbrennt und dabei CO2 produziert. Bereits beim Abbau der fossilen Energieträger entweichen Methan und CO2 in die Atmosphäre. Methan und CO2 sind sogenannte Treibhausgase, die den Klimawandel enorm begünstigen - sie sind die wichtigsten Treibhausgase zusammen mit Wasserdampf und Ozon. Methan ist ein Begleitgas von Erdöl, das bei der Erdölförderung austritt und verbrannt wird. CO2 ist dann das Verbrennungsprodukt. Methan ist gleichzeitig auch das Hauptgas in Erdgas. Anstatt Methan bei der Erdölförderung einzufangen und als Erdgas gleich zu nutzen, verbrennt man es! Die Nutzung von Methan bei der Erdölförderung ist nicht wirtschaftlich.
  4. Es findet zudem eine gewaltige, katastrophale Zerstörung der Umwelt dieser Regionen statt. Die Pflanzen- und Tierwelt der gewaltigen sibirischen Tundra und Taiga fällt dem Abbau zum Opfer. Diese Ökosysteme sind einzigartig - eben weil die Bedingungen dort so hart sind. In den kältesten Regionen wird es im Winter bis zu -70°C kalt und im Sommer bis zu über +30°C im Schatten. Das ist ein Temperaturunterschied von 100°C! An diese Lebensbedingungen kann sich kein Tier und keine Pflanze einfach so anpassen, diese Anpassung hat viele 100.000 Jahren gebraucht. Der Sibirische Tiger wird beispielsweise 300kg schwer, seine Artgenossen in wärmeren Gebieten sind weitaus leichter. Diese Größe hat er, um im Winter gegen die Auskühlung anzukommen. Die Zerstörung wird vor allem durch folgende Szenarien vorangetrieben:
    • Abholzung, um Platz für den Abbau für Maschinen und Menschen zu schaffen.
    • Die Verbrennung der Begleitgase bei der Förderung der fossilen Brennstoffe lässt Ruß entstehen, der sich in der Landschaft verteilt und wie zu Beginn der Industrialisierung in England oder Deutschland ganze Landstriche unter einer dicken Rußdecke begräbt. Die Pflanzen können so keine Photosynthese betreiben und sterben, die Tiere können sich nicht mehr von den Pflanzen ernähren und finden dort keinen Schutz. Eine ganze Kette von Ereignissen wird dadurch ausgelöst.
    • Den Transport: Die Pipelines sind nicht die einzige Option, Erdgas und Erdöl zum Verbraucher zu bringen. Auch große Lastwagen werden eingesetzt, die in endlosen Kolonnen durch die Landschaft fahren. Mit allen Folgen, die ein solcher Transport mit sich bringt: Straßenbau, neue Siedlungen etc. All dies bedeutet: die Taiga muss weichen.
  5. Spiegel online berichtete bereits 2010 von den Lecks in den Pipelines, die durch die extremen Wetterbedingungen entstehen und ganze Landstriche mit Erdöl fluten und damit zerstören.
  6. Die Verdrängung der sesshaften, nomadisch und halbnomadisch lebenden Völker der Ewenken, Chanten und Nenzen ist in Westsibirien im vollen Gange. Es sind kleine indigene Völker, die seit Jahrtausenden in Sibirien leben und sich an die extremen Wetterbedingungen angepasst haben. Als wirtschaftlich unbedeutende Faktoren verlieren sie ihre Jagd- und Weidegebiete und damit ihre Lebensgrundlage. In der Folge müssen sie ihre traditionelle Lebensweise aufgeben und verlieren damit ihre kulturellen Wurzeln. Kurz: Sie verschwinden.
  7. Diamanten werden im Tagebau (also von oben) und unter Tage (unter der Erde), Gold nur im Tagebau abgebaut. Im Tagebau bedeutet: große Krater in der Landschaft und Abholzung der Taiga, um an das Goldgestein zu gelangen.
    Die Einschnitte in die Natur sind hier deutlich sichtbar:
Stillgelegte Diamantenmine in Mirny, Jakutien-Region, Sibirien| Quelle: Staselnik [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]
Stillgelegte Diamantenmine in Mirny, Jakutien-Region, Sibirien| Quelle: Staselnik [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]

Diese Diamantenmine in Mirny, in der sibirischen Region Jakutien, wurde zwischen 1957 und 2001 als Tagebau betrieben. Sie ist 1,2km breit und knapp 1km tief. Die Laster brauchten 1,5h, um von ganz unten nach oben zu gelangen. 2001 wurde sie instabil und die Arbeit lebensgefährlich. Seitdem wird sie sich selbst überlassen und Diamanten unter Tage weiter abgebaut.

 

Sieh dir die Stadt im Hintergrund oben im Bild an, dann kannst du vielleicht erahnen, wie gewaltig dieses Loch ist!


Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Im untenstehenden SWAY findest Du die kurze Zusammenfassung zum Thema "Bodenschätze in Sibirien".

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Bodenschätze in Sibirien
Sibirien ist ein gewaltiges Gebiet in Russland. Es macht 3/4 des gesamten russischen Staates aus. Es umfasst mehr als 13 Millionen Quadratkilometer zwischen Ural im Osten und dem Pazifik im…
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Noch kein Quiz? Schade... da hatte ich wohl noch keine Zeit :-(